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Albanien: Vertrauen aufbauen und Hoffnung schenken
Der Kapuzinerpater Br. Andreas Waltermann
Br. Robert Prenner (Südtirol) traf Br. Andreas Watermann am Rande des Symposiums der Kapuziner zum Thema „Säkularisation“ in Madrid – und hat die Gelegenheit genutzt, für die Kirchenzeitung in Südtirol von diesem missionarischen Engagement der Kapuziner zu berichten: Unter den Ausländern sind die Albaner die am stärksten vertretene Gruppe in Südtirol; sie begegnen hier vielen Vorurteilen. Das ehemals kommunistische Albanien hat mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Auch für die Kirche ist ein Neuanfang nach Jahrzehnten der Verfolgung schwierig. Lesen Sie dazu den folgenden Bericht des Kapuziners Br. Andreas Waltermann, der im Norden Albaniens als Seelsorger wirkt. Religion hat überlebt Mehr als 45 Jahre lang hatte die kommunistische Partei Albanien fest im Griff; der autoritäre Führer Enver Hoxha und sein Regime riegelten das Land hermetisch vom Rest Europas ab. Die Religion erklärte Hoxha zu seinem Hauptfeind und erklärte Albanien zum ersten atheistischen Staat. In zwei Wellen wurde jede Ausübung der Religion brutal verfolgt. Ab 1943 wurden die meisten Priester eingekerkert, vertrieben oder umgebracht. Nach 1967 ging das Regime äußerst grausam gegen jede Form von Religion vor. Die verbliebenen Kirchen wurden zerstört, andere profaniert und in Viehställe umgewandelt. Ein Rosenkranz in der Tasche konnte bedeuten, erschossen oder für 25 Jahre ins Gefängnis gesteckt zu werden. Manchmal wurde die ganze Familie deportiert. ,,Es grenzt an ein Wunder, dass die christliche Religion trotzdem überlebt hat“, berichtet Br. Andreas, der seit zwei Jahren als Seelsorger in einer vor allem von Katholiken bewohnten Gegend Nordalbaniens wirkt. Er kenne eine Ordensfrau, die im Untergrund gelebt hatte und berichtete, dass der christliche Glaube trotz allem in vielen Familien lebendig blieb. Die Christen trafen sich zum Beten in den Bergen, im Geheimen wurden auch Kinder getauft. Manche versteckten unter Lebensgefahr Kreuze und Bibeln. ,,Der Neuanfang nach dem Fall des Kommunismus war aber sehr schwierig. Kirchen mussten errichtet werden, besonders Menschen zwischen 35 und 60 Jahren sind dem christlichen Glauben sehr entfremdet“, so Br. Andreas. Es gelte vor allem, Vertrauen aufzubauen und Hoffnung zu schenken. Er lebt und wirkt in Fushe Arrez, einer Kleinstadt mit 5000 Einwohnern, betreut aber zudem 12 kleine Dörfer in der Umgebung. Unterstützt wird er von zwei Franziskanerinnen. Als Seelsorger setzt er auf Regelmäßigkeit: Einmal im Monat feiert er in allen Dörfern Eucharistie, oft auch auf einem Klappaltar unter freiem Himmel, wo es noch keine Kirche gibt. Zweimal im Monat lädt er Erwachsene und Jugendliche zu einer Katechese ein: ,,Besonders Kinder und Jugendliche nehmen sehr rege daran teil“, berichtet der Priester. Großen Wert legen die Albaner auf das Segnen der Häuser; daher besucht Br. Andreas einmal im Jahr jedes Haus, schon um den Kontakt zu pflegen. Auch Moslems, in diesem Gebiet eine kleine Minderheit, bitten ihn oft um den Haussegen. Hilfe auch aus Südtirol ,,Die Kirche kann aber nicht nur verkünden, sie muss auch etwas gegen die wirtschaftliche Not der Menschen tun“, betont der Seelsorger. Mindestens jeder vierte der 3,4 Millionen Einwohner lebt unter dem Existenzminimum. Besonders dramatisch ist laut P. Andreas die Abwanderungswelle aus den Bergen in die Städte und ins Ausland, eine Folge von Arbeitslosigkeit und Armut. Erschwerend komme noch hinzu, dass es keine Berufsschulen gibt, wo handwerkliche Berufe entstehen könnten. So versucht der Seelsorger, mit kleinen Projekten den Menschen eine Arbeit zu verschaffen. Er kauft z. B. Schweine und gibt die Ferkel an eine Familie weiter. Wenn die Ferkel ein Gewicht von 50 Kg erreicht haben, kann sie die Familie verkaufen, 20 Prozent des Erlöses gehen an den Seelsorger zurück, damit kann er neue Schweine kaufen. In Fushe Arrez betreiben die Schwestern ein Hilfsprogramm für 350 Familien. Sie erhalten einmal im Monat als wichtige Überlebenshilfe 50 kg Mehl. Auch Südtirol unterstützt dieses Gebiet seit Jahren. Der Seelsorger von Lüsen, der Kapuziner Alfred Kugler, organisiert seit zwei Jahren Hilfstransporte; er sammelt Kleider, Betten, Möbel, Herde, Öfen und vieles andere, das ihm Südtiroler zur Verfügung stellen. ,,Bis jetzt sind schon mehrere Transporte nach Albanien gerollt“, so P. Alfred. Auch nach Meinung von Br. Andreas eine wertvolle Hilfe: ,,Es ist ein Unterschied, ob Menschen auf dem Boden oder in einem Bett schlafen, ob sie in Lumpen gehen oder in ordentlichen Kleidern.“ Ende November 2009 haben die EU- Außenminister grünes Licht für den Beitrittsantrag Albaniens zur Europäischen Union gegeben. ,,Das wäre ein wichtiges Zeichen für dieses vergessene Land, das in Europa zudem vielen Vorurteilen begegnet“, meint Br. Andreas. Er selbst habe sich in Albanien z. B. nie in Gefahr gesehen. Freilich bleibe noch viel zu tun, besonders gegen die Korruption. Albanien hätte an sich günstige Voraussetzungen, mit seinen reichen Bodenschätzen, der 380 km langen Küste und den zauberhaften Bergregionen. |
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