Schweres Erdbeben auf Sumatra



Betroffen ist vor allem die Diözese Padang, die Nachbardiözese des Bistums Sibolga, in der die Kapuzinermissionare der Rheinisch-Westfälischen Provinz seit 1955 arbeiten. Die indonesische Kapuzinerprovinz Sibolga hat inzwischen über 100 Brüder, die innerhalb des Bistums aber auch ausserhalb der Diözese – etwa auf der Insel Flores – tätig sind.

Die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge:

Meldung vom Mittwoch, 30. September 2009:
Die indonesische Insel Sumatra ist von einem schweren Erdbeben getroffen worden. Zahlreiche Menschen sind ums Leben gekommen und hunderte Häuser eingestürzt. Menschen liefen in Panik aus den Häusern. Viele gingen auch nicht wieder in die Gebäude zurück. In der 900.000-Einwohner-Stadt Padang stürzten zahlreiche Gebäude ein, darunter auch Hotels. Tausende Opfer werden noch unter den Trümmern gesucht.
Das Zentrum des Bebens mit der Stärke 7,9 lag vor der Westküste Sumatras, etwa 45 Kilometer nordwestlich von Padang. Vor Sumatra lag auch der Mittelpunkt des Bebens, welches Weihnachten 2004 den katastrophalen Tsunami im Indischen Ozean ausgelöst hatte, bei dem 230.000 Menschen starben.



Me
ldung vom Donnerstag, 01. Oktober 2009
Trümmer und Tote, so weit das Auge reicht: Das schwere Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra hat wahrscheinlich tausende Menschenleben gefordert. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen kamen mindestens 1100 Menschen ums Leben. Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Opfer noch weiter steige. Mindestens 500 Gebäude seien eingestürzt.
Armee und Polizei sind mit Baggern und Presslufthämmern im Einsatz, um Schutt beiseite zu räumen. Helfer graben mit bloßen Händen nach Überlebenden.
"Es sieht aus, als hätte jemand eine Atombombe hinter den Bergen abgeworfen" - so beschrieb es ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes, der das Erdbebengebiet in einem Helikopter überflog. "Das Gebiet ist riesig, einige Gegenden sind völlig abgelegen. Leichen liegen auf dem Boden, und Menschen laufen orientierungslos herum. Es sind die schlimmsten Zerstörungen, die unsere Mitarbeiter in den vergangenen 15 Jahren in Indonesien gesehen haben."
Die Infrastruktur ist schwer beschädigt: Zufahrtsstraßen wurden durch Erdrutsche verschüttet und sind unpassierbar, Brücken beschädigt und Abwasserkanäle und Wasserleitungen kaputt. Tausende Menschen verbrachten die Nacht im Freien, aus Angst vor Nachbeben. Eines erschütterte die Region am Donnerstagmorgen. Die Erdbebenwarte registrierte die Stärke 7. Das Epizentrum lag aber weiter südlich und verursachte keine weiteren Schäden.



Brief vom Samstag, 03. Oktober 2009
Martinus Situmorang ist Bischof von Padang. Er ist einer der fünf Kapuzinerbischöfe Indonesiens und Vorsitzender der indonesischen Bischofskonferenz.
In seinem Brief berichtet er über die katastrophalen Zerstörungen in der Stadt Padang und in der Umgebung:
Es herrscht allgemeine Betroffenheit bezüglich des Erdbebens, das so viele Menschenopfer und materielle Schäden verursacht hat. Bedrückend ist es, die alten und neuen Einstürze zu sehen. Zahlreich und schwer sind die Zerstörungen. Vielerorts ist schweres Gerät zur Rettung der Opfer zu sehen und Menschen, die versuchen ihr Eigentum aus den Ruinen zu retten.
Aber es gibt schon zahlreiche öffentliche Küchen und einige wenige Zeltunterkünfte. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen scheint zu funktionieren.
Aus der Pfarrgemeinde habe ich gehört, dass bis jetzt etwa 40 Katholiken in einem Massengrab beigesetzt wurden. Die Hektik ist unwahrscheinlich. Man versucht die Verletzten, die hilfsbedürftig sind und Pflege brauchen, in einem Krankenhaus oder anderweitig zu versorgen. Das ist schwierig, da einige große Krankenhäuser und auch das Zentralkrankenhaus sehr schwer beschädigt sind.
So wie ich es beurteilen kann hat es vor allem die katholischen Einrichtungen voll erwischt:
Bei der Kathedrale sind die Mauern des Presbyteriums und der Teil über dem Altar eingestürzt. Vermutlich kann hier nichts wieder aufgebaut werden.
Die Gebäude der Pfarrei sind schwer beschädigt. Der hintere Teil ist vollständig eingestürzt und hat einige Fahrzeuge unter sich begraben.
Der ganze hintere Teil unseres Exerzitienhauses Puri Dharma ist eingestürzt und zerstört. Es ist zu befürchten, dass hier nichts mehr repariert werden kann.
Der ganze vordere Teil des Bischofshauses ist eingestürzt, die Zimmer vorn sind schwer beschädigt und durch Wasser zerstört. Das große Versammlungszimmer und die Kapelle im Hauptteil haben Risse und schwere Schäden im Fussboden. Die Wasserrohre sind gebrochen und die Räume stehen unter Wasser. Teile vom Dach sind eingestürzt und haben den mittleren Teil des Hauses beschädigt. Die Küche ist zerstört, so dass wir auf dem Gang essen müssen. Wir tun das, weil wir auf keinen Fall ausziehen wollen.
Der katholische Kindergarten und zahlreiche katholische Schulen sind so stark beschädigt, dass sie nicht mehr benutzt werden können: das Gymnasium Don Bosco, zwei Volksschulen, zwei Mittelschulen. Wir wissen nicht, wie wir den Lehrbetrieb einigermassen aufrecht erhalten sollen. Wahrscheilich muss man die meisten Klassen in Zelten oder anderen Behelfsräumen unterrrichten.
Die Kapelle und das Kloster der Schwestern ist sehr schwer beschädigt. Die Erdspalte des Erdbebens liegt in der Nähe ihrer Wohnung. Das Internat, die Entbindungsklinik und die Poliklinik der Schwestern sind ebenfalls stark zerstört und einsturzgefährdet.



Soweit die Lage zum jetzigen Zeitpunkt. Wir müssen jetzt überlegen, wie es weiter gehen kann, welche Hilfe wie geleistet werden muss. Auf jeden Fall werden in Zukunft außerordentliche Belastungen auf uns zukommen.

Einsatz von Br. Raymond Laia in Padang
Am 16. Oktober 2009 hat der Direktor der Caritas Indonesia die Provinz Sibolga gebeten, Br. Raymond Laia, der einige Jahre als zuständiger Caritas-Direktor den Wiederaufbau auf der Insel Nias koordiniert hatte, nach Padang zu entsenden. In Padang würde dringend ein „Progamm Manager“ benötigt, der die Hilfseinsätze der Caritas plant und koordiniert.
Am 17. Oktober hat sich die Kapuzinerprovinz Sibolga entschieden, Br. Raymond nach Padang zu schicken. Er soll dort bis Anfang 2010 seine in den vergangenen Jahren in der Caritasarbeit erworbenen Kenntnisse anwenden und die Koordination der Nothilfemassnahmen der Caritas International für die Erdbebenopfer in der Diözese Padang leiten.

Am 20. Oktober 2009 hat die Arbeit von Br. Raymond in Padang begonnen. Er schreibt von dort: Die Zestörung konzentriert sich auf die Gebiete von Padang, Pariaman und Pasaman, ungefähr 150 km bzw 250 km von der Stadt Padang entfernt. Die Stadt ist vom Erdbeben nicht so stark betroffen wie die Umgebung. Mehrere Gebäude sind zusammengebrochen, hauptsächlich die Hotels und die Einrichtungen der katholischen Kirche (Schulen, Kirchen, Bischofs- und Schwesternhaus). Auch "die China Town", die mit ihrer historischen Architektur die Altstadt von Padang sehenswert gemacht hat, ist zestört. Schade! Auch die Krankenhauser sind schwer betroffen. Viele Patienten müssen in Zelten behandelt und untergebracht werden und haben unter tagelangem schwerem Regen zu leiden.
Die Hilfe für die vom Erdbeben betroffenen erreicht inzwischen auch die entfernteren Gebiete - viele Dörfer können schlecht erreicht werden wegen der Erdrutsche.

Bis Anfang der Woche (26. Oktober 2009) haben wir 2.181 Familien mit Nothilfepaketen versorgt und wir werden noch etwa 5.400 Familien bis spätestens Ende Dezember erreichen. Wir versuchen nach einem gerechten System allen Betroffen in der Region Hilfe zukommen zu lassen.

Die Hilfsmaßnahmen für die Erdbebenopfer in und um Padang werden auch von der Missionsprokur der Kapuziner in Münster unterstützt.
Wenn Sie den Menschen in Sumatra durch eine Spende helfen wollen:

Kontoverbindung:
Kontoinhaber: Missionsprokur der Kapuziner
bei der: Darlehnskasse Münster eG
Konto-Nr. 3 214 100
BLZ 400 602 65
Stichwort: „Erdbebenhilfe Padang“