P. Heinrich Terfrüchte R.I.P.


Im Auftrag des Bistums Sibolga und der Franziskanerinnen von Reute hat P. Heinrich den Wiederaufbau von Tetehösi geleitet: (von links) Superior Martin Sayer, P. Heinrich, Generaloberin Sr. Paulin, Regionaloberin
Sr. Sesilia.



Am 19. November vergangenen Jahres starb in der Raphaelsklinik in Münster Pater Heinrich Terfrüchte. Er war 25 Jahre Missionar im Bistum Sibolga (Indonesien) gewesen. Gut zwei Jahre lang – von 2007 bis 2009 – hat er das Wiederaufbauprojekt in Idanögawo (Insel Nias) geleitet.

Heinrich Terfrüchte besuchte die Volksschule in Borken und wechselte dann 1958 ins Josefs-Kolleg der Kapuziner in Bocholt. Von 1963 bis 1966 war er im Fidelis-Kolleg der Kapuziner in Bensheim und beendete dort im Alten Kurfürstlichen Gymnasium mit dem Abitur im November 1966 seine Schulzeit.

Nach dem Ordenseintritt und der einfachen Profess in Stühlingen am 6. Januar 1968 absolvierte er seine philosophisch-theologischen Studien – zunächst in Krefeld, danach in Münster. Ewige Profess und Priesterweihe waren die nächsten Stationen in seinem Ordensleben. Dann folgte sein erster Einsatz als Pfarrseelsorger in der Kapuzinerpfarrei St. Bonifaz in Mainz (1974 – 1977).

Sein Interesse an der Missionsarbeit in der damaligen Präfektur Sibolga bewog P. Heinrich, als Missionar nach Indonesien zu gehen. Bei der Aussendungsfeier am 26. Juni 1977 in Mainz erhielt auch P. Edmund Kesenheimer den Missionsauftrag.

Da sich die Erteilung des Visums verzögerte, hatte P. Heinrich noch Zeit, um sich mit der indonesischen Sprache vertraut zu machen und einen Kurs in Tropenmedizin zu besuchen. Der Abflug nach Indonesien war dann am 1. Februar 1978.

Für ihn war es eine begeisternde Arbeit, in der jungen Kirche auf Sumatra und Nias an der Verkündigung und Ausbreitung der Frohen Botschaft Jesu Christi mitzuwirken. In den ersten Jahren arbeitete er vor allem in einigen wenig entwickelten Regionen von Nias – in Gomo, Tögizita und Gidö. 1987 wurde er in Gunungsitoli Hausoberer des ersten Kapuzinerklosters in dem inzwischen zur Diözese erhobenen Missionsgebiet.

Seit 1986 war P. Heinrich für die Caritasarbeit im Bistum Sibolga verantwortlich. Er gründete Bauernkooperativen, errichtete Gesundheitszentren, baute Schulen in abgelegenen Dörfern und legte einen Fond für Schülerhilfen an. Brunnen wurden gebohrt, Wasserleitungen gelegt, Wege und Straßen entstanden.


P. Heinrich war nicht nur Baumeister, sondern auch Missionar mit Leib
und Seele.


Im Januar 1989 rief Bischof Anicetus P. Heinrich als Generalvikar an seine Seite. Wegen des Personalmangels war P. Heinrich gezwungen, an vielen Stellen auszuhelfen. Während einer Firmreise auf den Batu-Inseln starb ganz plötzlich der dortige Seelsorger, P. Medard Reinle.

Als sich monatelang kein Nachfolger fand, erklärte sich P. Heinrich im April 1996 bereit, die Pfarrei Tello mit den vielen Aussenstationen auf den kleinen Inseln zu übernehmen.

Die Mühen der seelsorglichen Arbeit auf den abgelegenen Inseln, Seenot und schwere Tropenkrankheiten zehrten an seinen Kräften. Deshalb entschied sich P. Heinrich im Jahr 2003, seinen missionarischen Einsatz in der Diözese Sibolga zu beenden und kehrte am 9. Mai 2003 nach Deutschland zurück.

Im Kapuzinerkonvent in Bad Mergentheim bereitete er sich auf eine neue Aufgabe vor und erholte sich von den Strapazen der Missionsarbeit in Indonesien. Nach dem Provinzkapitel im Juni 2004 wurde er Hausoberer im Wallfahrtskloster Ave Maria und Pfarrer der Gemeinde Deggingen.

Auf die Bitte des Administrators der Diözese Sibolga, P. Barnabas Winkler, wurde P. Heinrich ab dem 1. Februar 2007 für drei Jahre freigestellt. Er hatte sich bereiterklärt, das von der Diözese Sibolga und den Franziskanerinnen von Reute-Sibolga zu bewältigende Großprojekt „Wiederaufbau von Idanögawo“ (Insel Nias, Indonesien) zu leiten. Diese Station war bei dem gewaltigen Erdbeben an Ostern 2005 vollständig zerstört worden.


Die Kirche und das Pfarrhaus von Idanögawo waren Ende 2008 fertiggestellt.

Mit vollem Einsatz und mit großem Organisationstalent gelang es P. Heinrich, nach und nach in Idanögawo die Kirche, das Pfarrbüro und das Pfarrhaus, die Poliklinik, das Schwesternhaus und ein Jungen-Internat wieder aufzubauen. Weitere Bauarbeiten führte er im Kinderdorf Gidö durch. Hier stellte er das Babyheim fertig, errichtete ein Angestelltenhaus und eine weitere Wohneinheit für die Kinder und begann mit der Renovierung der bestehenden Wohneinheiten.

Am 8. Mai 2009 entschloss sich P. Heinrich, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Ein Grund war seine angeschlagene Gesundheit.

Nach einer Zeit der Erholung sollte er im Kloster in Frankfurt bei der Seelsorgsarbeit mithelfen. Es kam aber anders. Gut einen Monat nach seiner Rückkehr diagnostizierte man einen Gehirntumor, der bereits verschiedene Funktionen des Körpers beeinträchtigte. Eine Operation hielten die Ärzte nicht für möglich, und so erfolgte eine Chemotherapie und eine Bestrahlung der befallenen Stellen.

Nach dieser Behandlung und einer Zeit der Pflege in Frankfurt wurde P. Heinrich in die Raphaelsklinik nach Münster verlegt. Dort erhielt er – gemäß seinem schriftlich geäußerten Willen – nur noch schmerzlindernde Medikamente.

Am Mittag des 19. November 2009 gab unser Mitbruder Heinrich sein Leben in die Hände des Schöpfers zurück.

Die Franziskanerinnen von Reute sind P. Heinrich zu großem Dank verpflichtet. Ohne seine Hilfe hätte die Station Tetehösi (Idanögawo) nicht in dieser qualifizierten Art und Weise wieder erstehen können. Das Gleiche kann für die Baumaßnahmen im Kinderdorf Hiliweto (Gidö) gesagt werden.

Wir danken Gott zusammen mit allen Menschen, die P. Heinrich erleben durften, dass wir ihn unter uns hatten. Möge der himmlische Vater ihm all das vergelten, was er für die Menschen in der Heimat und im Bistum Sibolga in Indonesien getan hat!


Pater Heinrich Terfrüchte

Geboren: 06.08.1946 in Borken
Ordenseintritt: 05.01.1967 in Stühlingen
Ewige Profess: 24.04.1971 in Münster
Priesterweihe: 07.04.1973 in Münster
Gestorben: 19.11.2009 in Münster