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Schweizer Kapuziner in Indonesien
Seit 50 Jahren Schweizer Kapuziner in Indonesien, auf Borneo und Sumatera. Die holländischen Mitbrüder erinnern sich in einem Jubiläumsartikel:
1. Hintergrund Indonesien war 300 Jahre holländische Kolonie. 1942 besetzte Japan das ganze Inselreich. Die Holländer wurden interniert. Die Missionare von Borneo brachte man nach Kuching (Britisch Borneo) ins Gefangenenlager. 1945 wurden sie von australischen Truppen befreit. Aber am 17. August hatte Sukarno die Unabhängigkeit erklärt und Indonesien wurde Republik. Die Kolonialherren nahmen das nicht und kamen mit einer starken Truppenmacht zurück. So kam es zu einem 3-jährigen Freiheitskampf und erst 1949 zogen die Holländer ab und anerkannten die Indonesische Republik. Dazu gehörte das ganze Inselreich, ausgenommen West Papua, das noch besetzt blieb. Die Kolonialherren mussten das Land verlassen, nur die Missionare, fast alles Holländer, durften bleiben. Nach ein paar Jahren kam es zu Spannungen zwischen Indonesien und Holland wegen West Papua. Indonesien verlangte auch dieses Gebiet, Nun wurden auch die Missionare Opfer dieser politischen Spannung. 1957 kamen die letzten holländischen Missionare nach Indonesien. Neue Visa wurden keine mehr gegeben. Das war eine gefährliche Situation für die Kirche. Man wusste ja nicht, wie lange dieser Zustand dauern würde. Viele Missionare waren schon älter und der einheimische Klerus war noch klein. Erst 3 Bischöfe stammten aus Indonesien. Darum suchten die kirchlichen Obern nach Leuten aus andern Ländern, die ein Visum und Arbeitserlaubnis bekamen. 2. Zusammenarbeit Holland - Schweiz Die Holländische Provinz bat die Schweiz um Hilfe. Es wurde vorgeschlagen, die Schweizer nach Indonesien und die Holländer nach Tanzania zu schicken. Das war 1958. In Freiburg waren 3 Missionare in Vorbereitung für Tanzania. René Roschy, Ewald Beck und Franz Xaver Brantschen. Provinzial, P. Seraphin, fragte diese 3 Leute um die Bereitschaft, nach Borneo zu gehen, sagte aber, dass es noch sehr unsicher sei, ob sie die Visa erhalten würden. Da kein näherer Bericht kam, gingen die 3 im September 1958 nach Rochestown in Irland. Im Januar 1959 kam dann Bericht, dass es nun ernst gelte. Viele Formulare mussten ausgefüllt werden für eine Visumsanfrage. Im Mai 1958 wurden wir über Holland zurück in die Schweiz beordert. In Tilburg nahmen wir den 80 -jährigen P. Fulgenz König mit und reisten nach Sursee. Dort gab uns P. Fulgenz, ein Exmissionar, einen Monat lang Einführung in die indonesische Sprache. Die Begeisterung war nicht gerade gross, da wir immer noch nicht sicher waren, ob überhaupt ein Visum gegeben würde. Im August kam ziemlich unerwartet Bericht, dass wir Erlaubnis hätten, nach Borneo zu reisen. Ende September wurden wir ausgesandt und reisten am 30. September mit dem Zug nach Genua. Von dort mit dem Schiff nach Singapur, genau 3 Wochen. Nach ein paar Tagen Aufenthalt fuhren wir mit einem Chinesenboot direkt, nach Pontianak. Am Morgen des 1. Novembers fuhren wir den Kapuas hinauf nach Pontianak. Erst nachmittags kam die Gesundheitsbehörde an Bord zusammen mit ein paar Patres und wir durften an Land. Dort erwartete uns der Bischof Mgr. Herkulanus und die Militärpolizei, die unsere Papiere und Waren untersuchte. Damals hatte das Militär das Sagen in Borneo. Als wir endlich zum Pfarrhaus kamen, sahen wir die Leute in die Kirche gehen, um den Ablass zu gewinnen. Ganze 4 Wochen waren wir auf der Reise gewesen. 3. Schweizer Kapuziner in Westborneo (Kalimantan Barat) Obwohl wir bereits einen Monatskurs gehabt hatten, waren wir praktisch „sprachlos". René blieb in Pontianak, Ewald kam nach Nyarumkop und Franz Xaver nach Sanggau, um Indonesisch zu lernen. Das war der Anfang der Tätigkeit der Schweizer in Borneo oder Kalimantan Barat, wie es genannt wird. Es kamen dann bald mehr Missionare nach. Ende 1960 P. Agatho Elsener, März 1961 Mattheus Kessler und Lazarus Lichtsteiner, Juni 1961 die Brüder Leopold Perler und Benedikt Erne, Januar 1962 Pius Gaemperle, Ulrich Sialm und Alberich Brader, 1968 Br. Gervais Hulman und 1975 Fritz Budmiger und 1977 noch Jakob Willi. Also total 11 Patres und 3 Brüder. Die holländische Provinz hatte Missionare in Borneo, aber auch in Sumatera. Auch Sumatera sollte geholfen werden. Offenbar bestand eine interne Abmachung zwischen den beiden Missionen, dass für zwei Schweizer in Borneo ein holländischer Missionar von Borneo nach Sumatera zügeln musste. Keine angenehme Lösung. Verschiedene Patres, die bereits „eingebürgert" waren in Kalimantan, mussten nach Sumatra hinüber, wo vor allem Batak gesprochen wurde. Auch für die Schweizer hätte das auf längere Sicht bedeutet, dass sie die Mission übernehmen müssten. Als P. Walbert Bühlmann 1961 auf Besuch kam, wurde ihm dieses Problem dargelegt. Er machte dann den Vorschlag, ein paar Missionare direkt von der Schweiz nach Sumatra zu senden. Das waren P. Rupert Hüsser und Gregory Menezes und als 2. Gruppe, P. Meinrad Manser, Adjut Mathis und Josue Steiner. Von diesen ist nur einer in Sumatera geblieben, P. Josue, der 2003 in Medan an Krebs starb und in Pematang Siantar beerdigt ist. 4. Die Schweizer in Kalimantan Hier folgt ein kurzer Lebenslauf der einzelnen Missionare die einmal in Borneo waren oder es noch sind. Von den 14 Missionaren sind bereits 6 gestorben, einer ausgetreten und 7 sind noch in Indonesien. 4.1 Die verstorbenen Missionare: 1. P. Alberich Brader Er kam im Januar 1962 nach Sanggau, wo er Vikar wurde und die ersten Erfahrungen sammelte. Er war ein sehr begeisterter Mann, mit viel Optimismus und scheute keine Mühe, die Leute für Christus zu gewinnen. Er konnte eine ganze Woche in einem Dorf bleiben und dann viele taufen. Wir nannten sie lachend "Alberich-Christen". Nach einem Jahr wurde er in die Schulstadt Nyarumkop mutiert, wo er mit dem bekannten Eifer die Pfarrei beackerte. 1971 ging er auf Urlaub und sollte dann die Pfarrei Batang Tarang zusammen mit einem jungen Missionar von Holland übernehmen. Batang Tarang war verwaist, weil P. Arsen im Urlaub unerwartet gestorben war. Alberich war kaum 2 Wochen daheim, als er von einem Auto angefahren wurde und schwer verletzt in den Spital von Luzern eingeliefert wurde. Aber nach ein paar Tagen erlag er den schweren Kopfverletzungen und wurde auf dem Klosterfriedhof beerdigt. Für uns in Borneo ein schwerer Verlust Von ihm kann man sagen: „Der Eifer um Dein Haus verzehrt mich". (Jo 2:17). 2. P. Lazarus Lichtsteiner Er kam 1961 nach Borneo. Nach ein paar Monaten Sprachstudium in Nyarumkop wurde er Vikar in der hintersten Pfarrei, Jangkang, wo P. Hermann Josef Papst und Kaiser im Dorf war. Bald wurde er Pfarrer dieser abgelegenen und grossen Pfarrei und blieb bis 1987. Dank seines vorbildlichen Lebens kamen aus dieser Pfarrei viele Priester und Schwesternberufe. 1987 ging er auf Urlaub, um seinen 60. Geburtstag zu feiern. Danach schrieb er uns: „Der Arzt hat alles in bester Gesundheit gefunden. Ihr müsst mich wieder annehmen." Zwei Monate später traten Lähmungen auf und die Ärzte fanden einen grossen Tumor im Gehirn. Vor der Operation wurde er noch gründlicher untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass es Krebs war, der bereits überall Metastasen gebildet hatte. Er wollte unbedingt schnell zurück, um die Pfarrei zu übergeben, aber bereits nach kurzer Zeit verschlimmerte sich der Zustand, dass eine kurze Rückkehr nicht mehr möglich war. Er fand liebevolle Pflege bei seiner Schwester in Menzingen, wo er am 6. Dezember 1987 starb. Begraben liegt er in Sursee. Für ihn gilt: „Pastor Bonus" (Joh 10:11) Die Leute seiner Pfarrei hielten die traditionelle Totenklage. 3. P. Pius Gämperle Er kam im Januar 1962 in Sanggau an. Wurde Lehrling bei P. Key in Jemongko, eine Riesenpfarrei an der Grenze gegen Serawak. Mit seiner Handorgel bekam er viel Zulauf in den Dörfern. Pius war der einzige von uns, der bereits pastorelle Erfahrung mitbrachte. So war er eine grosse Hilfe für uns. Er kam dann nach Sanggau und 1968 wurde er Delegatus socialis der Diözese Pontianak. Dieses Amt war zugeschnitten für den umgänglichen Pius. Diese Arbeit gefiel ihm, da er ein Herz für die armen Leute hatte. 1977 übergab er dieses Amt einem Laien und er kehrte in die Schweiz zurück. In Spiez bekam er einen angepassten Posten. Auch hier war er immer besorgt um die Missionare aus Indonesien und er war immer für einen Ausflug mit seinem Auto bereit. Er betete für einen Sekundentod, der ihm dann auch geschenkt wurde am 1. März 1998. Er starb plötzlich im Zug auf einer Sonntagsaushilfe im Berner Oberland. Seine letzte Eintragung im Tagebuch war typisierend für Pius: „Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn. Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke." (Neh 8:10) 4. P. Rene Roschy Er war bei der ersten Gruppe und bekam einen Vikarsposten in Pontianak. Mit seiner Gitarre und sonoren Stimme brachte er es sogar bis ans Radio. Sein Arbeitsfeld war vor allem das Deltagebiet des Kapuas. Er entwickelte eine gewaltige Initiative, die hie und da durch die Klugheit des Bischofs gebremst werden musste. Mit seinem Speedboot, Geschenk der Schweizer Jugend, befuhr er die unzähligen Arme des Kapuas. Leider bekam er Malaria Tropica, eine sehr gefährliche Krankheit. Darum wurde ihm vom Arzt geraten, in ein Gebiet ohne Malaria zu gehen. 1978 ging er heim und bald darauf nach Peru. Was er dort für die Armen und Hungernden geleistet hat, weiss nur Gott. Im Februar 2004 starb er ploetzlich in Lima. Fuer ihn passt: „Da ergriff ihn das Mitleid mit ihnen". (Mt 14:14) 5. P. Mathäus Kessler P. Mathäus kam 1961 mit P. Lazarus nach Pontianak. Als wir abends zu den Schwestern gingen, stellte sich Matthe durch einen Jodel vor. Da kam die ganze Hundemeute der Schwestern angerannt. Mit Jodeln hat er uns oft erfreut. In Sanggau sollte er die Sprache lernen. Die Sprache war das grosse Kreuz für ihn. Er war ein Mann, der sehr gut predigen konnte, was in der Fremdsprache nicht so leicht ging. Aber die grosse Güte, die er ausstrahlte, verstanden die Leute in Sanggau, Pusat Damai und Jangkang. Nach ein paar Jahren ging er heim, aber Borneo lockte ihn unwiderstehlich und er kam ein zweites Mal. Er schenkte seine grosse Liebe an die Leute in Sanggau und dann Batang Tarang. Als dann ein einheimischer Primiziant auch dorthin kam, fand er, seine Zeit sei abgelaufen und er übergab diesem seinen Posten. 1981 ging er endgültig heim. Aber sein Herz gehörte Borneo. Seine letzten Jahre in Wil waren ein Kreuzweg, den er mutig ging. Nach seinem Tod im Mai 2006 fand man auf seinem Tisch im Kloster noch einen Briefumschlag mit Fr.100 mit dem Vermerk „für Kalimantan". Sein Leben und Sterben war geprägt durch seinen grossen Glauben an Gott, den er als den liebenden Abba erfuhr. 6. Br. Gervais Hulmann Er kam 1968 nach Pontianak und bekam Arbeit in der Handwerkerschule. Seiner Sorge wurden die verschiedenen Fahrzeuge und Transporte der Schule anvertraut. Mit seiner „Gorillapostur" wusste er die gierigen Hände einzelner Armeeangehöriger, die ungeniert einen unserer Camions für sich brauchen wollten, abzuwehren. Französisch war seine Muttersprache und er wurde deshalb auch von einer französischen Firma als Radio-Mann angestellt. Als dann die Diözese auch Radioverbindung einführte, wurde Gervais der Verbindungsmann zu den einzelnen Stationen. 1980 Reiste er nach Lima, um dort P. Rene zu helfen. Die letzten Jahre verbrachte er als geschätzter Koch in Brig, wo er 2008 plötzlich an einem Herzversagen starb. Alle diese verstorbenen Mitbrüder waren geliebte Missionare in Borneo. Kein Zweifel, dass sie nun mit den vielen Indonesiern, denen sie in den Himmel halfen, ein „Nasi Goreng Fest` veranstalten und frohe Erinnerungen austauschen. 7. P. Ulrich Sialm Er kam zusammen mit Pius und Alberich im Januar 1962. Zuerst lernte er in Pahauman bei P. Augustinus Indonesisch. Das war kein Problem für ihn. Er kam nach Sanggau und zwar auf die Pfarrei Jemongko an der Grenze gegen Serawak, Aufmarschgebiet der indonesischen Armee gegen Malaysia. Er war allein und erfuhr die Arroganz der indonesischen Soldaten im Grenzgebiet. Furchtlos trat er fuer die Rechte des einfachen Volkes ein, konnte aber auch mit den Soldaten Fussballspiele organisieren. Spaeter übernahm er die Jugend in der Pfarrei Sanggau. Er schlauchte sie so, dass sie sogar die beste Fussballmannschaft der Stadt wurden. Aber er litt unter der Not der Leute. Es war ja die Zeit als alle von Sozialhilfe redeten. Er fand, dass er mit seiner theologischen Ausbildung nicht gerüstet sei für diese Arbeit. Darum kehrte er 1969 zurück in die Schweiz und studierte Agronomie an der ETH. Zürich. Dort fand er dann auch die Lebensgefährtin. Mario blieb mit Indonesien verbunden. Mit den eigenen Kindern haben sie auch 2 indonesische Kinder angenommen und aufgezogen. Seine theologische Bildung nützte ihm als Lehrer an der kath. Sekundarschule in Zürich und auch als aktives Mitglied der Pfarrei. 4.2 Die Missionare, die noch in Indonesien sind 1. Ewald Beck Er kam mit der ersten Gruppe 1959 nach Kalimantan. In P. Fridolin, wegen seiner kontemplativen Ader von den Mitbrüdern „Vater Abt" genannt, lernte er den Ernst des Missionslebens kennen, 1962 wurde er Pfarrer dieser Pfarrei, und wurde für viele Jahre sein Königreich. Pusat Damai wurde Schulzentrum und in den Internaten waren sehr viele Kinder, die von weit weg her in die Schule kamen. Dieses Apostolat war angepasst an den ehemaligen Jungwächter. 1980 zügelte er nach Sanggau, um dort das Projekt von P. Agatho, Yayasan Sehat, zu übernehmen und ab-und umzubauen. Zur bereits bestehenden Unterstufe der Mittelschule wurde auch die dreiklassige Oberstufe angefügt. Damit wurde die Don Bosco Schule zur anerkannten und einzigen katholischen und vollständigen Mittelschule der Stadt. Den guten Ruf der Schule unter vielen andern auszubauen und zu erhalten, fragt viel Energie und Klugheit. Da viele Schüler von auswärts kommen, bestehen auch die Internate. Keine leichte Aufgabe, den auch hier zeigen die Jungen einen grossen Drang nach Freiheit. 2006 bekam er Probleme mit seinem Bein. Ein Untersuch in Kuching zeigte, dass ein Bein wegen Altersbrand nicht mehr zu retten war und amputiert werden musste. Für mehr als ein Jahr suchte er in der Schweiz Hilfe durch eine Prothese. Im Juli 2007 kam er wieder zurück. Im Rollstuhl überwacht er die Finanzen unserer katholischen Mittelschule. 2. P. Fritz Budmiger 1976 kam er nach Indonesien und lernte in Yogyakarta bei den Jesuiten die Sprache. Im Januar 1977 übersiedelte er nach Sanggau als Vikar. Nach einem Jahr fand er, dass er noch einen Titel in Soziologie haben müsse, den er sich am Asian Social Institute in Manila in Rekordzeit erwarb. Zurück in Borneo wurde er Pfarrer von Pusat Damai bis heute. Da hat er die ganze Pfarrei total neu aufgebaut. In einem gewaltigen Gebäudekomplex wurden und werden Kurse gegeben für die charismatische Erneuerung, dann für Evangelisation und neuestens für Credit Union, die zu den grössten in ganz Indonesien gerechnet wird. Kein Wunder, dass bei so grosser Aktivität nun Herzprobleme zu einer langsameren Gangart zwingen. 3. P. Jakob Willi Als letzter Schweizer kam er Ende 1977 nach Borneo. Er kam als Vikar zu Pater Maturus nach Ngabang. Maturus hatte von Pahauman aus sein Dienstreisegebiet zur neuen Pfarrei entwickelt. Nach einem Jahr wurde Maturus Dozent am grossen Seminar in Pematang Siantar (Sumatra) und Jakob wurde nun der Pfarrer dieser gewaltigen Pfarrei bis 2008. Unermüdlich ist er in die vielen Dörfer gegangen, zu Fuss, mit einem Boot oder mit dem Töff. Daneben hat er das Schulsystem aufgebaut vom Kindergarten bis zur höhern Mittelschule. Gegen 1500 Kinder sind beim Schulappell auf dem Platz. Das alte Pfarrhaus mit den vielen Ecken und Gängen hat er ersetzt durch ein ganz praktisches und luftiges Haus. Daneben wohl die schönste Kirche im ganzen Gebiet mit Glockenturm und elektrischem Geläut. Ein Mann mit vielen und guten Ideen, die er in die Praxis umsetzte und das alles trotz immer schwächer werdender Sehkraft. Ein indonesischer Mitbruder leitet nun die Pfarrei. Jakob hofft, dass er noch die neue Primarschule anschauen kann, bevor das Augenlicht total erlischt. 4. P. Agatho Elsener Er kam 1960 als 4. Missionar nach Borneo, nach Sanggau, wo er intensiv die Sprache erlernte. Von seiner Familie kam auch ein Landrover. Ein wahrer Segen für das Gebiet, trotz der miserablen Strassen. Die Obern fanden, dass Agatho seine vielen Talente sehr gut im Schulzentrum Nyarumkop brauchen könnte. Aber er war wohl zu modern und zu ideenreich für das „bewährte" System dort. Nach einem Jahr kam er zurück nach Sanggau, wo er die Mittelschule übernahm und auch die Internate. Er hatte seine eigenen Methoden, die nicht überall verstanden wurden. Aber es kommen immer noch ehemalige Schüler in Dankbarkeit nach ihm fragen. Er gründete das Yayasan Sehat, eine Stiftung in der die Leute lernen sollten, sich selber zu helfen. Er hat dafür viel Land gekauft. Auf diesem Land wollte er den Leuten beweisen, dass sie aus dem Ertrag dieses Bodens leben könnten. Trotz ungeheurem Arbeitsaufwand musste er schliesslich doch einsehen, dass da keine Zukunft war. Ein Agronom sagte: „Sie können aus diesem Land nur das herausholen, was sie hineinstecken. Die Erde ist total ausgelaugt." Er zog nach Jawa und baut dort seit Jahren in der Nähe von Bogor ein Projekt für „biologic farming" auf. Dahinter steckt eine ziemlich schwierige Philosphie, nicht für jeden verständlich. Vielleicht hat der Erzbischof von Pontianak recht, als er sagte: „Masih terlalu pagi", es ist wohl noch zu früh für hier. Für Sanggau wurde das gekaufte Land „a blessing in disguise", denn dort stehen nun unsere Mittelschulen und Internate und auch das Kapuzinerkloster San Damiano und das Kurshaus Laverna. Heute könnten wir das Land nicht mehr kaufen und erst recht nicht bezahlen. 5. Br. Leopold Perler und Br. Benedikt Erne Sie kamen im Juni 1961. Die Diözese Pontianak hatte zwei Handwerkerschulen, eine in Singkawang und eine in Pontianak, geleitet von Bruder Cosmas, der auch nicht mehr der Jüngste war. So war der Bischof entsetzlich froh, dass zwei gut ausgebildete Brüder kamen. Leopold wurde die rechte Hand von Cosmas und Benedikt leitete die Bauerei auf dem Platz. Sein erstes Projekt war eine einfache Garage in Pusat Damai, wo er ein paar Jahre später den Bau der grossen Kirchen in Sanggau und Pusat Damai leitete. Solide Schweizer Qualität, denn die Kirchen stehen immer noch. Wie viele Kirchen, Schulen und Pfarr-Häuser sie gebaut haben, wissen sie wahrscheinlich selber nicht. Die Schule war in Pontianak mitten in der Stadt. Es ist das Verdienst dieser beiden Brüder, dass die Schule, dem hl. Josef geweiht, ausserhalb der Stadt einen neuen Platz fand. Neuer Platz, aber alte Qualität. Wir plagten sie hie und da, die Schule sei dem hl. Judas geweiht, denn ordentlich teuer. Sie waren und sind teuer, aber solid und darum auf lange Sicht doch billiger. Einheimische Unternehmer bauen für 5 Jahre, sie für 50. Das grosse Verdienst der beiden Brüder sind nicht nur die Gebäude, sondern die Handwerker-Schule. Viele hundert Schüler bekamen eine gute Ausbildung als Schreiner, Maurer, Elektriker usw. Das Geniale der Schule ist das Zusammengehen von Theorie und Praxis. Die Schüler lernen in der Schule, aber auch auf dem Bauplatz. Inzwischen sind sie auch älter geworden. Leider besteht keine Aussicht, dass einheimische Brüder die Schule übernehmen können. Benedikt hat bereits den ersten Stroke gehabt und wird wohl einen längern Urlaub daheim nötig haben. Leopold fabriziert in seiner Werkstatt fleissig Särge. Sind sehr gefragt. Trotz eisernem Willen wird er schliesslich doch selber einen nötig haben. Alle hoffen, noch lange nicht. 6. P. Franz Xaver Brantschen Er kam mit der ersten Gruppe 1959. und hatte das Glück in P. Wilbert in Sanggau einen sehr tüchtigen Meister zu bekommen. Nach einem Jahr hätte er noch ein Lehrjahr in der hintersten Pfarrei, in Jankang, wo es nur Waldwege und Flüsse gab und ein Pfarrhaus, das bei jedem Husten wackelte. Aber der Pfarrer, P. Hermann Josef, ein Veteran aus dem Kriegsgefangenenlager der Japaner in Kuching, war ein geduldiger und überaus eifriger Missionar. Wirklich „Papst und Kaiser im Dorf. Nach einem Jahr musste P. Wilbert Sanggau verlassen, weil er vielen Leuten durch seine medizinischen Tätigkeiten half, was ihm viel Neid eintrug. P. Franz Xaver musste die grosse Pfarrei übernehmen und blieb Pfarrer in Sanggau bis 1979. Die Obern fanden, ein Platzwechsel wäre gut und mutierten „ihn zusammen mit P. Matthäus Kessler nach Batang Tarang. Sanggau übernahm sein ehemaliger Katechet und nun Neupriester P. Donatus. Nach zwei glücklichen Jahren in Batang Tarang wurde FX am Kapitel 1981 von den Mitbrüdern zum Superior gewählt, keineswegs zur Freude des Betroffenen. Weil bis jetzt Bischof und Superior immer in Pontianak residierten, fand der neue Superior, das Innenland verdiente etwas mehr Sorge und wohnte deshalb in Pusat Damai. !982 wurde Sanggau eine eigene Diözese mit Mgr. Bumbun als Administrator. Auf Anraten von Mgr. Tarcisius in Holland, obwohl schon 90 aber noch ganz frisch im Kopf und voll Interesse für seine ehemalige Mission, wurde eine Domus Religiosa in Sanggau geplant, damit die Kapuziner eine sichere Bleibe in der neuen Diözese hätten. Die Idee fand das Wohlwollen der Provinzobern, des Erzbischofs und auch der Mitbrüder, die aber die Verwirklichung des Projektes dem „reichen Schweizer" überlassen wollten: Damit es aber nicht eine Angelegenheit des Superiors würde, mussten alle Mitbrüder sich schriftlich äussern und auch Vorschläge machen. Wer nicht antwortete, wurde als Neinstimme betrachtet. Da kamen die Antworten und auch von verschiedenen Leuten der Vorschlag ein kleines Kloster zu bauen und ringsum ein Kurs- und Exerzitienhaus für eine spätere Tätigkeit des Ordens. Die beiden Mutterprovinzen, Holland und Schweiz, wurden die Milchkühe des nicht billigen Projektes, von Leopold ausgearbeitet und dann auch von seinen Leuten gebaut. 1990 konnte Franz Xaver nach 9 Jahren „Direktor des franziskanischen Zoos" diese Last zusammen mit dem ausgebauten franziskanischen Zentrum „Laverna" dem neuen Regional übergeben. P. Franz Xaver blieb als Guardian des Klosters und auch als vorläufiger Leiter des Kurshauses Lavern. In den letzten Jahren wurde das Haus jährlich durch rund 5000 Leute gebraucht, das nun 120 Betten zur Verfügung hat. P. Franz Xaver ist inzwischen der Senior der Provinz geworden. Neue Kräfte kommen nach. Die Kurse werden durch zwei indonesische Mitbrüder und zwei Schwestern geleitet. Mit grossem Dank an die vielen Wohltäter kann nun alles schuldenfrei an die einheimischen Brüder übergeben werden, nicht als Last, sondern als Mittel zur Glaubensvertiefung in Kalimantan. Das sind ein paar Skizzen der Schweizer Missionare in Kalimantan Barat. Lange nicht vollständig. Als ich vor ein paar Jahren in Sitten den Exgeneral P. Pascal traf und mit ihm über Kalimantan sprach, (er war ja zweimal, zuerst als Provinzial und später als General hier gewesen) sagte er mir: "Es war ein Wagnis, aber wir haben recht gehandelt". Aus diesem Satz wurde mir klar, dass es der Provinzleitung 1958/59 nicht leicht gefallen ist, diesen Austausch zu wagen. Vielleicht hat sie damals noch nicht alle Konsequenzen gesehen und erst mit den Jahren die personelle und finanzielle Last erlebt. Wir Missionare sind wirklich zu grossem Dank an die Provinz verpflichtet. Wie viel Geld direkt und indirekt hier investiert wurde, steht in keiner Buchhaltung. Aber wir alle, Provinz und Missionare, können mit etwas Stolz sagen: „Wir haben Schweizer Qualität geleistet" Und Gott wird sagen: „Ich habe meinen Segen reichlich gegeben!" |
Aus der Provinz Franziskuskalender 2011 jumi 7: Online mit Gott Ein Gottesdienst für die Katze Aus dem Orden Krankenwagen für Kapuziner in Albanien Fünf Jahre "Einsiedelei" auf der Donauinsel Seelsorge per Schiff entlang des Amazonas Von der Vielfalt an Begegnungen Rock im Kapuzinerkloster Silbernes Ehrenzeichen für P. Manfred Marent |


